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Ambo und Tabernakel

Im Jahre 1973 erhielt der Bildhauer Gerd Adelmann aus Mülheim / Ruhr den Auftrag zur Gestaltung eines Tabernakel-Gehäuses und eines neuen Ambos.

Gerd Adelmann wurde 1940 in Mülheim / Ruhr geboren und studierte an den Kölner Werkschulen und an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen-Werden. 1968 erhielt er den Förderpreis zum Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft der Stadt Mülheim / Ruhr. Gerd Adelmann lebt heute in Schorndorf / Baden-Württemberg.

Zur Vorstellung seiner Werke schrieb er folgendes an die Gemeinde St. Judas Thaddäus in Duisburg-Buchholz:

Vorstellung des neuen Tabernakel-Gehäuses

Bei der Gestaltung des Tabernakel-Gehäuses musste ich davon ausgehen, dass der vorhandene Tabernakel weiterverwendet und seinen Platz mi neuen Gehäuse haben sollte – alter Wein in neuen Schläuchen? Ich habe allerding meinen Entwurf nicht dem vorhandenen Tabernakel angepasst, Doch sollte er als Ort, an dem der Leib Christi aufbewahrt ist, deinen Platz in der Mitte des Gehäuses finden. Damit wollte ich deutlich machen: Christus, gegenwärtig im Brot des Lebens, muss Mitte der Gemeinde und des Lebens sein.

1973: Tabernakel mit Gehäuse

2021: Tabernakel mit Gehäuse

Die Form des Gitters wurde aus einem zweifachen Grund gewählt. Einmal entstehen durch die waagerechten und senkrechten Stäbe Kreuze, Zeichen unserer Erlösung, deren Frucht ja auch das Sakrament der Eucharistie ist. Das Gitter weist aber auch auf die noch immer vorhandene Einengung, Bedrängung und Verstrickung des menschlichen Lebens durch die Macht des Bösen hin, von der wir noch endgültig erlöst werden müssen, wozu wir wiederum Christus, sein Kreuz und seine Gegenwart im eucharistischen Brot brauchen. Die Gitter-Kreuz-Form des Tabernakels drückt also die Spannung menschlichen Lebens aus, die darin besteht, dass es einerseits schon von Gott angenommen und damit erlöst ist, seine endgültige Befreiung aber noch aussteht.

Es wäre sehr schön, wenn zu einem späteren Zeitpunkt dieses Thema aufgegriffen und auf verschiedenen Platten als Bronzereliefs gestaltet werden könnte. Diese Reliefs müssten dann die jetzt noch vorhandenen bunten figürlichen Darstellungen ersetzen. Dann erst wäre die Gesamtgestaltung vollständig und künstlerisch befriedigend.

Vorstellung des neuen Ambos

Im neugestalteten Ambo ist das Gitter-Kreuz-Motiv wieder aufgenommen. Damit wird die Verbindung vom Tisch des Brotes und Tisch des Wortes betont.

Auf dem Relief ist das Pfingstereignis dargestellt. Die erneuernde, Mut machende Kraft des Heiligen Geistes, der die Kirche belebt, wird ausgedrückt in den starken Konturen und in der bewegten Haltung der Apostel. Die Bewegung des Heiligen Geistes überträgt sich, die Apostel werden „begeistert“, sie geraten selbst in Bewegung. Einer, Petrus, tritt aus ihrer Mitte hervor und verkündet die Frohe Botschaft. Er tut also das, was zu allen Zeiten die vordringlichste Aufgabe der Kirche bleibt.

1973: Ambo

2021: Ambo

Doch diese Verkündigung kann nur geschehen in der Gemeinschaft mit den anderen, die ebenfalls den Geist Gottes empfangen haben und sein Wort weitersagen. Der Kreis um die Gruppe der Apostel drückt diesen Gedanken aus und zeigt weiterhin, dass der Geist Gottes Gemeinschaft schafft und Einheit erhält.

Das Thema der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel wurde gewählt, weil ihre Kirche eine Apostelkirche ist, dem hl. Judas Thaddäus geweiht und darum dem Geiste Gottes und der Botschaft Jesu besonders verpflichtet.

Hier möchte ich mich bei all denen bedanken, die dazu beitrugen, dass meine Ideen zur Ausführung kamen. Ich hoffe, Ihnen gefallen meine Arbeiten und wünsche Ihnen viel Freude an Ihrem neuen Gotteshaus.

Gerd Adelmann